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TRUST THE PROCESS - eine Ermutigung zu vertrauen! (@mfk.coaching)

Aktualisiert: 30. Apr. 2022

„Vertrau auf den Prozess!“: heißt es im Design Thinking. Nicht viel nachdenken, sondern losgehen, machen und vertrauen. Trust the process bedeutet eben, nicht schon am Anfang zu wissen, was am Ende für mich dabei herauskommt. Aber der Prozess des LifeDesign wird in seinen klar definierten Schritten Perspektiven aufzeigen, AHA Momente bereithalten und überraschende Erkenntnisse generieren. Das klingt alles so leicht und locker flockig - doch fällt es schwer. Vertrauen ist ja auch so ein großes Wort! Wir alle bewundern Menschen, die „ihren“ Weg gehen, himmeln unsere Filmheld:innen an, die die Ketten von gesellschaftlichen und normativen Erwartungsbildern sprengen und feiern zurecht unsere Freund:innen, die mutig einen Schritt in die Ungewissheit wagen. Doch ich? Selbst mein Yogitee am Morgen wirft mir einen knackigen Weisheitsspruch entgegen und ich nicke innerlich stumm: Recht hat er, der Yogitee. Und mein zweiter unwillkürlicher Gedanke ist dann, aber ich doch nicht…

Was steckt also dahinter, wenn Life Designer:innen sagen: „Trust the process“? Was braucht es vielleicht für mich, dass ich mich darauf einlassen kann? Drei wichtige Punkte dazu:

Mir fiel es am Anfang ziemlich schwer, dieses Mindset an den Tag zu legen. Denn ich mag es, Dinge zu planen und zu strukturieren. Mich beruhigt es ungemein zu wissen, wenn ich weiß, was mich morgen erwartet. Und es gibt mir Sicherheit, wenn ich gewisse Ergebnisse meiner Unternehmungen bereits antizipieren kann oder zumindest aus der Erfahrung weiß, dass sich gewisse Handlungen in der Vergangenheit bewährt haben und es schließlich auch in Zukunft tun werden. Das habe ich als unglaublich zufriedenstellend erlebt und es war mein Verständnis von Vertrauen. Gleichzeitig habe ich beobachtet, dass ich durch diese Haltung natürlich auch immer in meinem eigenen Radius blieb. Das heißt die Sachen, die für mich beruflich oder privat unangenehm waren, habe ich versucht, mit alt bekannten Mitteln, die ich ja eh schon kannte, zu lösen. Das Ergebnis konnte sich naturgemäß nur im bereits begrenzten Horizont abspielen und hat letztlich das reproduziert, was ich eh schon wusste oder eben noch nicht, worauf ich aber eine Antwort wollte.


Vertrauen heißt dabei also immer Vorschuss geben, auch wenn ich es noch nicht habe, mache ich eine Vorauszahlung. Vertrauen ist nichts, was sich zwangsläufig von allein einstellt, ich darf es einladen. Ich darf es mir erlauben, dem Prozess vertrauen zu dürfen. Das war die erste Haltungsänderung. Wenn ich aus meiner eigenen Bubble aussteigen möchte, muss ich Dinge anders machen und darf dabei trotzdem ICH bleiben. LifeDesign bedeutet nicht ein komplett anderer Mensch werden zu müssen, sondern sich und seinen Bedürfnissen Stück für Stück näher zu kommen. Und da muss ich auch nicht meine oben beschriebene und viel geliebte Planungs- und Strukturliebe aufgeben - ganz im Gegenteil: sie ist ein wichtiger Baustein im LifeDesign Prozess, nur nicht mehr nur der einzige. Im LifeDesign Prozess nimmt man nur viel mehr noch die Lupe des Design Thinking in die Hand und schaut sich an, was sich da noch so für Bedürfnisse in mir versteckt haben, die angeschaut werden wollen. Und hier setzt ein zweiter wichtiger Punkt des Vertrauens an: Mut!

Ich brauche Mut, dort hinschauen zu wollen. Mit dem LifeDesign stellt man sich und seine Wünsche und Bedürfnisse in der ersten Phase so sehr ins Zentrum, wie man es im Alltag vermutlich nie tun würde. Das kann ungewohnt sein und sich vielleicht am Anfang unbehaglich anfühlen - vielleicht ist es aber auch ein Befreiungsschlag? Getarnt als Unwohlsein? Diese Phase des Beobachtens und Verstehens kann sehr viele Erkenntnisse bereithalten, die auf den ersten Blick vielleicht kindisch, unrealistisch oder gar utopisch erscheinen mögen. Hier ist nicht nur das Vertrauen in den Prozess entscheidend, sondern vor allem das Vertrauen in sich selbst. Nämlich dass das, was ich da beleuchte und erkenne, wirklich zu mir gehört und zu mir gehören darf. Denn häufig sind es innere Glaubenssätze wie „Ich darf das nicht!“ - „Ich kann das nicht!“ - „Sei nicht albern!“ - „Mach Dich nicht lächerlich!“ oder „Ich bin es nicht wert“, die dieses Hinschauen in der ersten Phase eintrüben, wenn nicht sogar erblinden lassen. An diesem Punkt kann es hilfreich sein, guten Zuspruch und Ermutigung zu bekommen (deshalb arbeitet man im LifeDesign auch kokreativ). Alles, was wir in der Verstehens- und Beobachtungsphase heben, darf erst einmal wertfrei stehen bleiben! Der innere Kritiker, der Analytiker, die inneren Glaubenssätze, der Verstand - alle dürfen schweigen. Gönn ihnen auch mal eine Pause, sie haben es sich verdient. Und gönn es Dir selbst dort hinzuschauen, was Du alles an verborgenen Schätzen gehoben hast. Punkt! Atmen!


Das führt mich zum dritten und letzten Punkt: Zeit. Vertrauen in den Prozess zu haben, bedeutet auch, sich selbst und den Dingen Zeit zu geben. All das, was Du innerhalb dieses Prozesses erfährst, erlebst und erarbeitest, darf wirken und sich entfalten. Und es braucht auch Zeit, dass diese inneren Prozesse, die angestoßen wurden, auch reifen dürfen. Gute Entscheidungen fallen nicht vom Himmel und kommen selten über Nacht. Ein gutes LifeDesign selbst ist nicht in einer Sitzung, in einer Stunde oder in einem Workshop abgeschlossen. Diese setzen aber sehr wohl neue Impulse, bringen innere Bilder hoch und lockern den Kopf von gängigen Vorstellungen und Erwartungsbildern, die man ebenfalls nicht wie einen Mantel einfach mal in Sekundenschnelle ablegt. Trust the process bedeutet, den Dingen ihre Zeit zu geben, die sie brauchen, um zu gedeihen und die Gewissheit zu bekommen, dass am Ende etwas herauskommt, dass mir und meiner Person weit aus mehr entspricht als zu dem Zeitpunkt als ich losgegangen bin. Denn letztlich ist die Frage, die hinter dem Vertrauen in den Prozess des Design Thinking steht, im Grunde, ob Du es Dir erlaubst, Dir selbst vertrauen zu wollen.


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